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Haas/Freudenberg: Reformierte Theologie in Erlangen
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6. Anhang
6.1. Erlaß des Königs Ludwig I. von Bayern vom 14. Juli 1847
Koenigreich Bayern
Ministerium des Innern für Kirchen- und Schul-Angelegenheiten
Seine Majestaet der König haben allergnädigst zu beschließen geruht:
1. daß, insolange Allerhöchstdieselben nicht anders verfügen, an der k[öniglichen] Universität Erlangen ein ordentlicher Professor der Theologie extra facultatem, reformirten Glaubens-Bekenntnißes, mit besonderer Rücksichtnahme auf die vereinigten Protestanten der Pfalz angestellt [werde], und zum Behufe der Besetzung dieses Lehrstuhls,
2. mit dem dermaligen reformirten Professor der Theologie zu Zürich, Dr. Ebrard, Unterhandlungen einzuleiten seyen, wobei demselben ein Jahresgehalt von 1100 fl in Geld, wovon nach erreichter definitiven Dienstes Eigenschaft 600 fl den Standes- und 500 fl den Dienstgehalt bilden, mit einem dem Dienstesgehalte zuzurechnenden Naturalbezuge von 2 Schäffel Weizen und 9 Schäffel Roggen im Geldanschlage zu 100 fl anzubieten sind.
Dieses wird dem Senate der k[öniglichen] Universität Erlangen unter Rückgabe der Beilage des Berichtes vom 3. März v[ergangenen] J[ahre]s mit dem Auftrage eröffnet, nunmehr wegen Einleitung der angeordneten Unterhandlungen mit Professor Ebrard ungesäumt das Weitere um so mehr zu verfügen und von dem Ergebnisse Anzeige zu erstatten, als hierdurch der Vollzug des bereits erwähnten Allerhöchsten Befehls bedingt ist.
München, den 14ten Julius 1847
6.2. Ernst Friedrich Karl Müller Lebenslauf im Goldenen Buch der Universität (1903)
Ich wurde am 27. Juli 1863 als Sohn des Mühlenbesitzers Peter Müller und seiner Gattin Albine, geb. Junge zu Buchholzmühle (Gemeinde Mühlstedt, Anhalt) geboren. Ich besuchte die Gymnasien zu Zerbst und Cöthen und bezog Ostern 1882 die Universität Tübingen zum Studium der Theologie. Nach Verlauf eines Semesters wandte ich mich nach Halle, welches mir zu meiner eigentlichen theologischen Heimat wurde und wo ich im engeren Sinne als meinen Lehrer namentlich Martin Kähler erwähne. Die beiden theologischen Prüfungen bestand ich zu Dessau 1886 und 1888. Im Jahre 1886/87 war ich als Kreispfarrvikar zu Ballenstedt a. Harz beschäftigt. In eine theologische Lehrtätigkeit trat ich mit dem Wintersemester 1888 als Inspektor des Schlesischen Konvikts zu Halle ein. Am 17. Juni 1891 erwarb ich den Grad eines Licentiaten der Theologie. Mit Beginn des folgenden Wintersemesters habe ich der Universität Halle für ein Jahr als Privatdozent angehört. Seit 1. September 1892 wurde ich außerordentlicher, seit 16. Juli 1896 ordentlicher Professor der reformierten Theologie an der Universität Erlangen. Hier durfte ich im Studienjahr 1902/03 das Prorektorat führen. Am 16. August 1892 habe ich mich mit Jenny Winkelmann, Tochter des damaligen Direktors der Ackerbauschule zu Quakenbrück, verehelicht, in welcher Ehe mir 3 Söhne und 1 Tochter geschenkt wurden.
Eigenartige Bewegungen in der evangelischen Landeskirche meiner anhaltischen Heimat wurden der äußere Anlaß, daß ich die Eigenart reformierten Kirchenwesens mit Bewußtsein erfassen lernte. In dieser Richtung haben sich auch meine theologischen Arbeiten bewegt. Doch schwebte mir als Ziel nie eine konfessionalistische Repristination, sondern stets eine von unberechtigten historisch-bindenden Traditionen freie, aus den eigensten biblischen Prinzipien sich stets neu entwickelnde Gestaltung der evangelischen Kirche und Theologie vor. In diesem Sinne darf ich mich als einen ausgesprochenen Unionstheologen bekennen, der freilich der Ueberzeugung lebt, daß die reformierte Art ihre besonderen Beiträge zur evangelischen Allgemeinheit zu liefern berufen ist. Diese Aussprache ergiebt ohne weiteres, daß mein Hauptinteresse sich weniger auf spezialistische Forschung als vielmehr auf systematische Durcharbeitung der großen Lebensfragen des evangelischen Glaubens richtet. Indessen haben nur wenige meiner bisherigen Arbeiten diesem Zielpunkt unmittelbar dienen können (Die göttliche Vorsehung usw., 1892; Zur christlichen Erkenntnis, 1898; Das evangelische Lebensideal, 1900. Ferner eine Reihe von Aufsätzen in der von mir redigierten "Reformirten Kirchenzeitung"). Ueberwiegend habe ich bisher meine Kraft noch auf mehr historische Arbeiten verwenden müssen: meine umfangreicheren Publikationen dienen der Zurechtlegung der für die vorschwebende Gesamtansicht bedeutsamen Stoffe (Symbolik, 1896; Die Bekenntnisschriften der reformierten Kirche, 1903; dahin gehören auch die meisten der für die 3. Aufl. der protest. Real-Encyklopädie gelieferten Artikel und die unter meiner Leitung erscheinende Verdeutschung von Calvin's Bibelkommentaren, von welchen erst Bd. 13 abgeschlossen vorliegt). Aeußerlich mag es eine Verlangsamung des Arbeitsfortschrittes zum vorgesteckten Ziele bedeutet haben, wenn ich Ende 1898 auf Wunsch der hiesigen deutsch-reformierten Gemeinde neben meiner Professur auch ein Pfarramt übernahm: innerlich empfinde ich den Umgang mit der kirchlichen Praxis gerade für meine Zwecke und Aufgaben überwiegend als eine Förderung. Auch meine Professur, die mich äußerlich in engere Kreise weist, erkenne ich mit ihrem Lehrauftrage für Systematik und dem freien Zugange auch zu biblischen und historischen Fächern dankbarst als geeignet an, mich genau auf das angestrebte Ziel hin weiter ausreifen zu lassen.
Erlangen, 19. August 1903
E.F. Karl Müller
6.3. Joachim Staedtke Rede anläßlich der Eingliederung des Lehrstuhls für Reformierte Theologie in die Fakultät am 16. Januar 1970
Am 14. Juli 1847 teilte das königliche Ministerium des Innern dem Senat der Universität Erlangen mit: "Seine Majestaet der König haben allergnädigst zu beschließen geruht: 1. daß, insolange Allerhöchstdieselben nicht anders verfügen, an der k[öniglichen] Universität Erlangen ein ordentlicher Professor der Theologie extra facultatem, reformirten Glaubens-Bekenntnißes, mit besonderer Rücksichtnahme auf die vereinigten Protestanten der Pfalz angestellt [werde], und zum Behufe der Besetzung dieses Lehrstuhls, 2. mit dem dermaligen reformirten Professor der Theologie zu Zürich, Dr. Ebrard, Unterhandlungen einzuleiten seyen (...)." Am 10. Dezember 1969 haben Allerhöchstdieselben, nunmehr in Gestalt des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus, zu beschließen geruht und verfügt, daß "unter Abänderung des Königlichen Reskripts vom 14. Juli 1847 der an der Universität Erlangen-Nürnberg bestehende Lehrstuhl für Reformierte Theologie unter Beibehaltung seiner Benennung mit Wirkung vom 1. Januar 1970 in die Theologische Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg eingegliedert" wird. Damit ist nach fast 123 Jahren ein Kuriosum zu Ende gegangen, das, soweit ich sehe, in der deutschen Universitätsgeschichte kein vergleichbares Gegenstück hat.
Der Lehrstuhl für Reformierte Theologie wurde zwar am 14. Juli 1847 gegründet, aber er hat noch eine Vorgeschichte, die um einige Jahrzehnte seiner Gründung voranläuft. 1810 kamen nicht nur die fränkischen Lande an das bis dahin fast ausschließlich katholische Königreich Bayern, sondern auch die Rheinpfalz, in der es eine namhafte reformierte Kirche gab. Diese hatte, da die ehemals pfälzische Residenz Heidelberg zum Großherzogtum Baden geschlagen worden war, ihre Universität und auch Theologische Fakultät verloren. Da die Pfalz bayerisch geworden war, mußte nun für den beträchtlichen Pfarrernachwuchs dieser doch verhältnismäßig großen reformierten Kirche die einzige bayerische Landesfakultät, nämlich Erlangen, sorgen. Um den Begehren seiner neuerdings auch reformierten Untertanen gerecht zu werden, verfügten S. M. der König am 3. Juli 1816, daß eine soeben freigewordene außerordentliche Professur mit einem Lehrer der reformierten Kirche zu besetzen sei. Zwei Jahre später, am 6. Dezember 1818, wurde der derzeitige Pfarrer an der deutsch-reformierten Gemeinde zu Erlangen mit dieser Professur für Reformierte Theologie betraut: Es war Johann Christian Gottlob Ludwig Krafft. Die Segenswirkungen, die von Kraffts pastoraler- und Lehrtätigkeit [sic!] in Erlangen ausgegangen sind, kann ich hier nicht schildern. Friedrich Julius Stahl erklärte 1846 vor der Generalsynode in Berlin:
"Der Mann, der in meinem Vaterland in Bayern die Kirche auferbaute, der apostolischste Mann, der mir in meinem Leben begegnete, Krafft, war ein strenger Bekenner des reformierten Lehrbegriffs. Ob er den Heidelberger Katechismus in der Tasche herumgetragen hat (...), das weiß ich nicht, aber das weiß ich, daß er einen Frühling aufblühen machte im ganzen Lande, dessen Früchte für die Ewigkeit reifen werden." Und wenig später hat Stahl in der Augsburger Allgemeinen Zeitung vom 5. Februar 1846 geschrieben: "Krafft - ein wahrhaft apostolischer Charakter - wurde für die lutherische Landeskirche Bayerns jener Sauerteig des Evangeliums, der den ganzen Teig durchsäuert." Er war ein Charismatiker. Kein Geringerer als Wilhelm Löhe, der wiederholt auf Kraffts Kanzel stand und ja auch sein Vikar werden wollte und sollte, schrieb 1836: "Ich verdanke (...) mein geistliches Leben einem reformierten Lehrer, Professor Krafft." Was Krafft für Löhe gewesen ist, kann man aus dessen Briefen entnehmen, aber bedürfte wohl noch einer genaueren Untersuchung. Krafft war übrigens der erste deutsche Professor, der im Wintersemester 1825/26 zum erstenmal ein Kolleg über Missionswissenschaft las. In seinen Bibelstunden fanden sich Gelehrte vom Range eines Karl von Raumer und Friedrich Wilhelm Schelling. Es unterstreicht Kraffts Stellung in Erlangen, daß ihm 1843 die Festpredigt zum 100. Jubiläum der Universität Erlangen, das übrigens mit dem Geburtstag des Königs zusammenfiel, übertragen wurde. Das waren noch Zeiten, daß bei einem solchen Anlaß ausgerechnet der Professor für Reformierte Theologie auf der Neustädter Kanzel erschien. Krafft hatte seinen Lehrstuhl bis zu seinem Tod 1845 innegehabt. Aber nicht der Lehrstuhl, sondern nur der Professor war reformiert gewesen. So reformiert übrigens, daß er lutherische Studenten nicht zu seinem Abendmahl zuließ. Nunmehr war für die Belange der reformierten Pfalz wiederum nicht gesorgt.
Was nun in den Jahren 1845 bis 1847 anhob, war der Kampf zwischen der Pfalz, dem lutherischen Oberkonsistorium, dem König und der lutherischen Fakultät in Erlangen um die Errichtung eines unierten Lehrstuhls in Erlangen. Denn genau im Jahre der Ernennung Kraffts war die Pfalz aus ihrem reformierten in den unierten Bekenntnisstand übergetreten. Die Generalsynode der Pfalz in Speyer verlangte schon 1845, daß in Erlangen ein Lehrstuhl errichtet wurde, "der die Doktrinen der pfälzischen Kirche zu vertreten habe". Das lutherische Oberkonsistorium machte sich diesen Beschluß zu eigen und stellte fest, das "durch den Fortschritt der Zeit" hervorgerufene Erfordernis sei die Besetzung der fraglichen Professur mit einem unierten Professor. Die Erlanger Fakultät war sauer. Gottfried Thomasius schrieb nach München, die Fakultät sei statutenmäßig lutherisch, und durch die Mitgliedschaft einer unierten Professur werde sie selbst uniert, und das hieße konfessionslos. Und die Union der Fakultät wäre der Anfang der Union der Landeskirche. Der Senat der Universität schloß sich am 8. März 1846 der Stellungnahme der Fakultät an und faßte den folgenden Beschluß: "Wir sind mit unserer theologischen Fakultät der Überzeugung, daß die Ernennung eines o. [sc. ordentlichen] Professors für die unierte Theologie den in fortdauernder Gültigkeit bestehenden Statuten gedachter Fakultät zuwiderlaufen würde. Wir teilen mit ihr die Ansicht, daß eine solche Ernennung nicht bloß höchst bedenkliche Folgen für die Integration und den Bestand der lutherischen Kirche herbeiführen würde, indem in einer solchen Ernennung tatsächlich der Anfang einer Unierung auch der lutherischen Kirche läge, wir nehmen an, daß diese Störungen und Gefahren, wenn auch in geringerem Grade doch noch immer bedeutend genug, selbst alsdann eintreten würden, wenn auch der anzustellende Professor der unierten Theologie nicht Sitz und Stimme in der Fakultät erhielte, ja, wenn selbst nur ein a.o. [sc. außerordentlicher] Professor angestellt würde." Die Fakultät schrieb außerdem noch an das Konsistorium am 17. März 1846: "Es liegt im Wesen der unierten Theologie, daß sie gerade das, was die bestimmte und unterscheidende Eigentümlichkeit sowohl der lutherischen wie der reformierten Konfession ausmacht, negieren muß, um für sich selbst eine Berechtigung zu gewinnen; nur auf der Negation dieser Eigentümlichkeit kann sie sich erbauen."
Das lutherische Oberkonsistorium nahm diese Auslassungen des Senats und der Fakultät äußerst übel. Im Antwortschreiben wird der Begriff "lutherische Kirche" als "Merkmal des Partikularismus" bezeichnet. Der Vorschlag des Oberkonsistoriums an den König war konzilianter, und es wird der statutenmäßige Konfessionsstand der lutherischen Fakultät zu Erlangen erwähnt und der Kompromiß vorgeschlagen, daß die Professur mit einem Mann zu besetzen sei, "der der unierten Kirche angehörte, nach seinen früheren Verhältnissen oder nach seiner jetzigen Richtung dem Bekenntnis der reformierten Kirche zugetan wäre". In einem weiteren Schreiben der Fakultät an den König wird "Ew. Majestät" daran erinnert, daß er selbst wiederholt ausgesprochen habe, daß er "wie dem Unglauben so der Bekenntnislosigkeit in der Kirche abhold sei". S. M. möge also, so schreibt die Fakultät, dem Antrag des lutherischen Oberkonsistoriums die Genehmigung versagen. Dieses Schriftstück ist von Thomasius, Kaiser, Höfling und von Hofmann persönlich unterschrieben worden. Der König war in einer schwierigen Lage. Die Pfalz drängte auf die unierte Professur, die Erlanger lehnten einen unierten Theologen kategorisch ab, das lutherische Oberkonsistorium tendierte im Grunde auf einen Reformierten, um sowohl die Pfalz wie die Erlanger zu befrieden. Und so kam es dann zur Gründung dieses Lehrstuhls. In einem Autoritätsakt gegenüber der Erlanger Fakultät und der Pfälzischen Kirche verfügte der König die Errichtung eines Lehrstuhls für Reformierte Theologie an der Universität Erlangen. Er nahm Rücksicht auf seine Untertanen in der Pfalz, indem er einen ordentlichen Lehrstuhl etablierte, er nahm Rücksicht auf die Einwände der Erlanger Fakultät, indem er keinen unierten, sondern einen Professor für Reformierte Theologie ernannte und dessen Professur aus konfessionellen Gründen seiner fränkischen Untertanen extra facultatem errichtete. Daß die unierte Pfalz durch den König einen Lehrstuhl für Reformierte Theologie erhielt, erklärt sich vor allem aus dem rigorosen Widerstand der Erlanger Fakultät gegen die Union, die ihr konfessionslos erschien.
Was ist nun aus diesem Lehrstuhl extra facultatem in den 123 Jahren eigentlich geworden? Erlauben Sie mir, daß ich meine hochverehrten Vorgänger ganz kurz Revue passieren lasse. Zuvor darf ich noch erwähnen, daß die Pfalz über diesen Lehrstuhl hinaus noch weitere Forderungen stellte. Am 7. September 1852 verlangte sie die Errichtung einer uniert-reformierten Fakultät zu Erlangen. Am 28. Februar 1853 stellte sie die Forderung, daß der Professor für Reformierte Theologie zu Erlangen das Recht erhalten solle, jährlich eine Ehrenpromotion vornehmen zu dürfen. Aus diesen Anträgen wurde nichts, statt dessen waren die Professoren für Reformierte Theologie auf sich selbst gestellt. Sie nahmen an keiner Fakultätssitzung teil, wohl aber wirkten sie im Senat mit.
Der erste Professor für Reformierte Theologie war Johann Heinrich August Ebrard. Was soll man über ihn sagen? Er hat mehr als hundert Bücher geschrieben, und ich gestehe, daß ich sie nicht alle gelesen habe. Ebrard, im französisch-reformierten Pfarrhaus am Bahnhofsplatz 2 geboren und gestorben, war ein unwahrscheinlich dynamischer Charakter, ein Mann, der alles wußte und alles kannte, der in der Theologie jedes Gebiet beherrschte und in jedem Gebiet auch mehrere Monographien veröffentlichte, der hunderte von Aufsätzen, Essays und andere Veröffentlichungen herausgab, Bücher schrieb wie System der musikalischen Akustik (1866), Untersuchungen über das Wesen des Lichts und der Farben (1873), ein Handbuch der mittelgälischen Sprache (1870), dazu eine Fülle von Romanen, die er teilweise innerhalb von 3 bis 4 Tagen bis zu einem Umfang von mehreren 100 Seiten druckfertig zu Papier brachte. Ebrard war von einer faszinierenden Genialität und Vielseitigkeit. Der Lehrstuhl für Reformierte Theologie wurde mit einem glänzenden Genie eröffnet, aber die Glanzperiode dauerte nicht lange, da Ebrard bereits im Alter von 35 Jahren den Lehrstuhl wieder verließ, um einer Berufung an das Konsistorium in Speyer zu folgen.
Ebrards Nachfolger auf dem Lehrstuhl für Reformierte Theologie in Erlangen wurde Johann Jakob Herzog. Dieser Schweizer, aus Basel stammende Gelehrte war ein Wissenschaftler von enzyklopädischem Ausmaß. Von 1854 bis 1877 ist er Professor für Reformierte Theologie in Erlangen gewesen. Sein Name ist unauflöslich verbunden mit der Realenzyklopädie für Protestantische Theologie und Kirche, jenem großen Werk, das er gründete. Herzog hat auf dem Lehrstuhl in einem Ein-Mann-Betrieb bis 1866 21 Bände der RE in 12 Jahren herausgegeben, und er selbst hat für diese 1. Auflage nicht weniger als 529 Aufsätze zum Teil umfangreichen Ausmaßes geschrieben. Das war ein Fachidiot besonderer Qualität, der auch noch die 2. Auflage der RE besorgte, die aber infolge seines Todes an Albert Hauck übergeben werden mußte. Aber noch die 3. Auflage ist wegen der Verbindung mit dem Lehrstuhl für Reformierte Theologie bei Junge & Sohn in Erlangen gedruckt worden.
Herzogs Nachfolger wurde Anton Emil Friedrich Sieffert. Die Neutestamentler kennen vielleicht seinen Namen. Er hat in Meyers Kommentar zum NT die 6. bis 9. Auflage des Galaterbriefes besorgt. Gewiß war er vorwiegend Neutestamentler, aber er hat sich in eminentem Maße um die Erforschung der reformierten Theologie, insbesondere Calvins, bemüht. Sein Verdienst war besonders die Gründung des Seminars für Reformierte Theologie im Jahre 1866. Die große Schätzung, die man Sieffert entgegenbrachte, war seine Wahl zum Prorektor Magnificus (der Rektor war ja der König) im Jahre 1888. Am 4. November 1888 hielt er seine Rektoratsrede Über den sozialen Gegensatz im Neuen Testament. Siefferts große Hinterlassenschaft als Rektor der Erlanger Universität ist das Kollegiengebäude an der Universitätsstraße, das er als Rektor hat bauen lassen, aber nicht mehr selbst hat einweihen können, da er 1889 einem Ruf nach Bonn folgte.
Siefferts Nachfolger war der junge Schweizer Theologe Johann Martin Usteri, ein Mann, der sich in seiner Schweizer Heimat durch seine neutestamentlichen und kirchengeschichtlichen Arbeiten einen großen Namen gemacht hatte. Aber es war ihm verwehrt, die große Tradition des Lehrstuhls für Reformierte Theologie in Erlangen fortzusetzen. Er kam am 27. September 1889 in Erlangen an, er konnte das Wintersemester 1889/90 noch lesen, dann erkrankte er, suchte in den Semesterferien bei seinem Freund Christoph Friedrich Blumhardt d.J. in Bad Boll Heilung und starb am 4. Juni 1890, also in seinem 2. Semester, an einer eitrigen Rippenfellentzündung und Herzlähmung im Alter von erst 42 Jahren.
Die glücklichste Zeit in seiner Geschichte erlebte der Lehrstuhl unter Usteris Nachfolger Ernst Friedrich Karl Müller. Um Müllers Wirken auf dem Lehrstuhl angemessen zu beschreiben, müßte man belletristische Fähigkeiten haben. Müller war ursprünglich Lutheraner, der sich aber, da im Anhaltischen geboren und aufgewachsen, alsbald der reformierten Konfession zuwandte. Er war hochbegabt und erwies sich sehr durch seine wissenschaftlichen Leistungen zum akademischen Lehramt befähigt. Im Alter von 29 Jahren wurde er auf den Lehrstuhl in Erlangen berufen. Müller hat den Lehrstuhl 43 Jahre innegehabt, und er hat in dieser Zeit in seinen Vorlesungen und Seminaren nahezu das gesamte Gebiet der theologischen Disziplin bestritten mit dem Schwergewicht auf der Neutestamentlichen und Systematischen Theologie. Er war zudem ein fleißiger theologischer Schriftsteller. Ich habe seine Werke nicht gezählt. Die von seinem Schwiegersohn Matthias Simon anläßlich des 70. Geburtstages zusammengestellte Bibliographie umfaßt 15 Druckseiten. Große Wirkungen sind von seinem Engagement in der reformierten Kirche ausgegangen. Er war Schriftleiter der Reformierten Kirchenzeitung, 1898 übernahm er neben der Professur das Pfarramt der deutsch-reformierten Gemeinde, 1902/03 wurde er Rektor der Universität und im Jahre 1906 zum Präses der Ev.-ref. Kirche in Bayern gewählt, ein Amt, das er bis kurz vor seinem Tod innehatte. In den über 40 Jahren seiner Erlanger Tätigkeit ist Ka-Em, wie er überall genannt wurde, zu einer fast legendären Gestalt geworden. Er war das Original eines zerstreuten Professors, dazu voller Schabernack und Humor. Aus dem reformierten Konvikt, das er in seinem eigenen Haus einrichtete, sind die tollsten Anekdoten von ihm und seinen Studenten überliefert. Legendär war auch der tägliche Spaziergang zum Rathsberg, der bei jedem Wetter stattfand und an dem ihn keine andere Verpflichtung hindern konnte. Später hat sich Paul Althaus an diesem Spaziergang beteiligt. Althaus hat mir selbst noch eine Reihe von lustigen Begebenheiten und Streichen, die die beiden vollführten, erzählt.
Mit Müllers Tod im Jahre 1935 ist die große Tradition des Lehrstuhls zu Ende gegangen. Daß der Lehrstuhl in den letzten 35 Jahren etwas in den Schatten trat, hat verschiedene Gründe. Einmal waren die Zeitumstände ungünstig. Es war die Nazi-, Kriegs- und Nachkriegszeit. Dann kam es durch das Wirken von Werner Elert, Paul Althaus und anderen zu einer neuen Blüte der lutherischen Fakultät, und schließlich war meinen beiden Vorgängern Paul Sprenger und Jan Weerda nicht die Strahlungskraft ihrer Vorgänger gegeben, um hier eine konkurrierende Alternative anzubieten. Im Jahre 1945 entstand eine neue Situation, die eine ernsthafte Gefährdung des Lehrstuhls brachte. Einmal war er in diesem Jahr durch Sprengers Tod vakant geworden, zum anderen erfolgte durch die französische Zonengrenze die Abtrennung der Pfalz vom rechtsrheinischen Bayern. Damit hatte der Lehrstuhl seine eigentliche Basis verloren, zudem sich die Pfalz wegen ihrer unierten Konfession und durch die Gründung der Universität Mainz uninteressiert an der Wiederbesetzung zeigte. Daß der Lehrstuhl damals nicht in die lutherische Fakultät umfunktioniert wurde, ist der Loyalität des Landeskirchenrates und der Fakultät zu danken. Daß er überhaupt 1949 wiederbesetzt wurde, ist auch dem geheimen Alleinvertretungsanspruch des Freistaates Bayern auf die verlorene Rheinpfalz zuzuschreiben, von dem man damals wohl noch nicht ganz frei war.
Die letzten fünf Jahre des Lehrstuhls haben Sie selbst miterlebt. Ich kann und will nicht in eigener Sache reden. Wenn auch der Landeskirchenrat größten Wert darauf gelegt und seine Zustimmung zur Integration davon abhängig gemacht hat, daß der Lehrstuhl die Bezeichnung "Reformierte Theologie" behält, so muß ich Ihnen gestehen, daß ich als Inhaber dieses Lehrfachs "Reformierte Theologie" selbst nicht ganz genau weiß, was das eigentlich ist. Gewiß versuche ich die Tradition der reformierten Theologie und Kirche von Ulrich Zwingli bis Karl Barth zu pflegen, nicht in kontradiktorischer, sondern in komplementärer Manier zur lutherischen Tradition in Erlangen. Aber z.B. die Zumutung, Qumran-Texte nach reformierten Kriterien zu interpretieren, würde mich in nicht geringe hermeneutische Schwierigkeiten bringen.
Einen Lehrstuhl für Reformierte Theologie extra facultatem kann es nicht nur aus konfessionellen, sondern auch aus wissenschaftlich-theologischen Gründen heute nicht mehr geben. Ich bin dankbar dafür, daß alle beteiligten Institutionen aus dieser Einsicht die Konsequenzen gezogen haben und sich der Lehrstuhl innerhalb der Fakultät befindet. Ich verstehe meine zukünftige Aufgabe kooperativ, insbesondere als Zusammenarbeit mit den historischen und systematischen Disziplinen. Ich danke der Fakultät für den Lehrauftrag zur Ethik, besonders zur politischen Ethik. Ich sehe das nicht als eine Änderung, sondern als eine Erweiterung meines Lehrauftrags an. Auch die reformierte Tradition hat auf diesem Gebiet schon einiges geleistet, das in die neue Problematik unserer theologischen und kirchlichen Situation heute fruchtbar eingebracht werden könnte und sollte. So habe ich eigentlich nur noch zu danken, zunächst für das große Vertrauen, das mir Kollegen, Mitarbeiter und Studenten entgegengebracht haben, vor allem aber gilt mein besonderer Dank der Theologischen Fakultät, insbesondere ihren letzten Dekanen, die die heute vollzogene Integration des Lehrstuhls für Reformierte Theologie initiiert und schließlich durchgesetzt haben.
6.4. Matthias Freudenberg Katholischer König und reformierter Lehrstuhl. Vor 150 Jahren Gründung des Lehrstuhls für Reformierte Theologie in Erlangen
Ein besonderes Jubiläum begeht in diesem Sommer eine Einrichtung, die von Anfang an in einer engen Verbindung mit der reformierten Kirche steht: Der Erlanger Lehrstuhl für Reformierte Theologie wird 150 Jahre alt. Genau genommen wird sogar schon seit beinahe 180 Jahren in der Hugenottenstadt reformierte Theologie gelehrt. Denn seit der Berufung des reformierten Pfarrers Christian Krafft 1818 ist dieses Fach an der Friedrich-Alexander-Universität vertreten. Krafft hatte allerdings nur einen außerordentlichen lutherischen Lehrstuhl an der Fakultät inne, der nach seinem Tod 1845 wieder verwaist war. Es war ein weiter und schwieriger Weg, bis 1847 durch den Beschluß des katholischen bayerischen Königs Ludwig I. ein eigener reformierter Lehrstuhl - übrigens der erste in Deutschland - gegründet werden konnte. Der Text des königlichen Erlasses, datiert auf den 14. Juli 1847, lautet in Auszügen: "Seine Majestaet der König haben allergnädigst zu beschließen geruht: Erstens, daß, insolange Allerhöchstdieselben nicht anders verfügen, an der königlichen Universität Erlangen ein ordentlicher Professor der Theologie extra facultatem, reformirten Glaubens-Bekenntnißes mit besonderer Rücksichtnahme auf die vereinigten Protestanten der Pfalz angestellt [werde], und zum Behufe der Besetzung dieses Lehrstuhls zweitens mit dem dermaligen Professor der Theologie zu Zürich, Dr. Ebrard, Unterhandlungen einzuleiten seyen."
Dem Erlaß ging ein längeres Hin und Her voraus zwischen der lutherischen Fakultät, die sich gegen einen reformierten und erst recht gegen einen unierten Lehrstuhl aussprach, der pfälzischen Kirche, die inzwischen einen unierten Professor wünschte, und dem Oberkonsistorium in München. Doch nun, nachdem der König die entscheidende Unterschrift unter den Erlaß gesetzt hatte, war es möglich, den reformierten Pfarrernachwuchs der Rheinpfalz und auch West- und Norddeutschlands auszubilden. Als Kuriosum sei vermerkt, daß der pfälzischen Kirche die Bezeichnung "reformierten Bekenntnisses" vom Oberkonsistorium zunächst verschwiegen wurde, was natürlich zu erheblichen Irritationen führen mußte. Ein Unikum in der deutschen Universitätsgeschichte war dieser Lehrstuhl insofern, als er ausdrücklich nur außerhalb der lutherischen Fakultät, also extra facultatem, errichtet werden durfte. Das bedeutete für den Lehrstuhlinhaber, daß er praktisch alle theologischen Fächer, angefangen von der Bibelwissenschaft bis hin zur Praktischen Theologie, mit seiner Person zu vertreten hatte. Diese singuläre Konstruktion war die natürliche Folge sowohl der streng lutherischen Fakultätsstatuten von 1743 als auch des ausgeprägten neulutherischen konfessionellen Bewußtseins im 19. Jahrhundert.
Angefangen vom Pionier der akademischen reformierten Theologie in Franken Johann Heinrich August Ebrard (1847-1853) bis zum derzeitigen Lehrstuhlinhaber Alasdair Heron waren insgesamt neun Professoren in diesem Fach tätig. Der heute nahezu vergessene Ebrard gilt neben seiner Lehrtätigkeit übrigens auch als Vater der reformierten Publizistik. Denn einerseits ist er der Verfasser einer immensen Bandbreite von literarischen Werken, die von einer zweibändigen "Christliche(n) Dogmatik" über eine reformierte Liturgik bis hin zu populären Novellen, historischen Dramen, Romanen, einer Farbenlehre und einem Reiseführer "Fränkische Schweiz" reicht. Und andererseits ist mit dem Namen Ebrard die Gründung der Reformierten Kirchenzeitung 1851 verbunden, deren erster Schriftleiter er war. Vier Seiten wöchentlich erhielten die zunächst nur 330 Abonnenten für den Preis von einem Taler pro Jahr. Ebrards Nachfolger in der reformierten Publizistik sind bis 1918 immer wieder bayerische reformierte Pfarrer gewesen, wie auch der Verlagsort der Reformierten Kirchenzeitung bis 1877 Erlangen war. Damals hatte sich die Reformierte Kirchenzeitung die bis heute gültige Aufgabe gesetzt, aus dem Reformiertentum zu berichten, Beiträge zur kirchlichen Diskussion zu liefern und darin ein Einheitsband der verstreuten Reformierten zu sein. Wörtlich heißt es in der ersten Nummer: Es fehle "an einem Organ, das (...) das Recht Jesu Christi in der Kirche" vertrete. Und weiter ist zu lesen: "Praktisch und mit der Tat wollen wir das reformierte Kirchentum (...) stärken, erhalten, verteidigen gegen die Anläufe des Fürsten der Finsternis und gegen den hochmütigen Trotz menschlicher Religions- und Kirchenmacherei (...)." Zum zentralen Thema der Zeitung erklärte Ebrard die Selbstvergewisserung der reformierten Kirche. Darunter verstand er weniger eine wissenschaftlich durchgeführte Kirchenkunde als vielmehr die praktische Bekundung reformierten Selbstbewußtseins inmitten des dominierenden deutschen Luthertums. Auch kirchenpolitisch stand Ebrard - nach seiner Professur u.a. als Pfarrer der französisch-reformierten Gemeinde Erlangen - in der Verantwortung. So gehörte er im Zwinglijahr 1884 zu den treibenden Kräften bei der Gründung des Reformierten Bundes in Marburg.
Zu seiner Zeit kaum weniger bekannt als Ebrard ist dessen Nachfolger Johann Jakob Herzog (1854-1877) gewesen. Er war der Begründer und Herausgeber der Realenzyklopädie für Protestantische Theologie und Kirche (RE), die damals als das bedeutendste Lexikon evangelischer Theologie galt. Die bislang längste Zeit im Amt verbrachte Ernst Friedrich Karl Müller, der von 1892 bis zu seinem Tod 1935 in Erlangen lehrte. Müller, der um die Jahrhundertwende weithin als Nestor der deutschen Reformierten geachtet war, gab wesentliche Impulse für die erneute Besinnung auf Calvin und die reformierten Bekenntnisschriften. Er leitete damit eine unschätzbare Arbeit ein, die heute gezielt wieder aufgegriffen und in Form der Calvin-Studienausgabe sowie der geplanten neuen kritischen Sammlung der Bekenntnisschriften betrieben wird. Müller wird ein immenser Arbeitsfleiß nachgesagt. So bekleidete er von 1898 bis 1911 neben seinem Lehramt noch das Erlanger reformierte Pfarramt und war zudem von 1906 bis 1935 Präses der Ev.-ref. Kirche in Bayern. Übrigens machte Karl Barth 1921 bei Müller einen denkwürdigen Besuch. Einem zuverlässigen Bericht zufolge soll Barth mit losen Schnürsenkeln und geöffnetem Regenschirm bei herrlichem Sonnenschein zu Müllers Haus gezogen sein. Von Müller, der ihn zuvor für die Göttinger reformierte Professur ins Gespräch gebracht hatte, versuchte er zu erfahren, wie man an einer lutherischen Fakultät reformierte Theologie betreiben könne. Die akademischen Anfänge des Verfassers der Kirchlichen Dogmatik sind somit eng mit Müller und Erlangen verbunden (vgl. RKZ 137 [1996], 540-542).
Zu den problematischen Kapiteln des Lehrstuhls, die nicht verschwiegen werden dürfen, gehört indes das Wirken von Müllers Nachfolger Paul Sprenger (1935-1945). Er war als einziger Erlanger Theologieprofessor aktiver Parteigenosse der NSDAP und soll aus seiner politischen Gesinnung keinen Hehl gemacht haben. Wenn auch die Diskussion über die Rolle der Erlanger Theologen im Nationalsozialismus - insbesondere die von Althaus und Elert - noch nicht abgeschlossen ist, so läßt sich doch dies festhalten: Der Fall Sprenger wirft einen dunkeln Schatten auf die Geschichte der Reformierten, die leider nur in Teilen identisch ist mit der Geschichte der Bekennenden Kirche. Da Sprenger 1945 starb, war weder die Kirche noch die Universität vor die Frage der Weiterbeschäftigung des politisch belasteten Lehrstuhlinhabers gestellt.
Die politische Situation nach 1945 und die Abtrennung der Rheinpfalz von Bayern lösten den engen Zusammenhang zwischen der Pfälzer Kirche und der Universität Erlangen weitgehend auf. Daß es dennoch gelang, den Lehrstuhl zu erhalten, ist vor allem dem Einsatz der Ev.-ref. Kirche in Bayern und des Reformierten Bundes zu verdanken. Was im 19. Jahrhundert noch undenkbar erschien, gelang schließlich 1970: Der Lehrstuhl wurde in die Fakultät als Bestandteil des Instituts für Systematische Theologie eingegliedert. Dieser Vorgang steht in unlösbarem zeitlichen und sachlichen Zusammenhang mit der Leuenberger Konkordie reformatorischer Kirchen (1973). Es ist besonders das Verdienst des früh verstorbenen Lehrstuhlinhabers Joachim Staedtke (1965-1979), daß diese lutherisch-reformierte Kirchengemeinschaft begründet wurde. Staedtke selbst brachte den Begriff "Konkordie" im ursprünglichen Sinne von "Übereinstimmung" bzw. "Im-Einklang-Stehen" in die Diskussion ein und machte ihn auch im Luthertum als geeigneten Terminus plausibel. Seit der Eingliederung des Lehrstuhls in die Fakultät besteht ein entspanntes und fruchtbares Miteinander von lutherischer und reformierter Theologie, wozu freilich auch die Nivellierung des konfessionellen Bewußtseins im deutschen Protestantismus beiträgt.
Die im Verlauf von 150 Jahren veränderte politische und kirchliche Situation bringt neue Aufgaben für den Lehrstuhl mit sich. Wie schon in den Anfängen, bietet seine Existenz als "Orchideenfach" eine gute Ergänzung zur lutherischen Theologie an der Fakultät. Auf diese Weise soll auf die Vielfalt des Protestantismus in seiner Einheit aufmerksam gemacht werden. Heute besuchen reformierte, unierte und lutherische Studierende gleichermaßen die Lehrveranstaltungen des Lehrstuhls und lassen sich in die Geschichte und Lehre des reformierten Zweiges der Reformation einführen. Für die gelungene Integration des Lehrstuhls in die lutherische Fakultät sprechen weiter zwei Tatsachen, die noch vor einigen Jahrzehnten undenkbar erschienen: Zum einen ist es heute selbstverständliche Praxis, daß der Lehrstuhlinhaber zu Universitätsgottesdiensten gebeten wird und gemeinsam mit seinen lutherischen Kollegen das Abendmahl austeilt. Und zum anderen ist der Lehrstuhlinhaber seit einigen Jahren als Prüfer beim landeskirchlichen Examen für lutherische Studierende zugelassen.
Bekanntermaßen dienen Jubiläen in erster Linie denen, die sich durch sie zu einer Besinnung auf die gegenwärtigen Herausforderungen anregen lassen. Darum wird am Erlanger Lehrstuhl nicht nur auf die Vergangenheit geblickt, sondern mit Nachdruck auch die Frage nach der gegenwärtigen Aufgabe und der Zukunft der reformierten Theologie im Pluralismus der Konfessionen und Weltanschauungen erörtert. Dies geschieht in vielfältiger Weise im Dialog mit den Kirchen und Gemeinden. So ist überhaupt festzustellen, daß der Lehrstuhl ganz im Sinne der calvinischen Ämterlehre bis heute durch eine bewußte Nähe zur gemeindlichen Praxis besonders der Ev.-ref. Kirche in Bayern geprägt ist. Ferner ist der Lehrstuhl in den letzten Jahren zunehmend eine Anlaufstelle für ausländische Studierende und Doktoranden aus reformierten Kirchen Südosteuropas, Großbritanniens, der USA und Südkoreas geworden. Die derzeitigen Forschungsschwerpunkte am Lehrstuhl sind die Geschichte und Lehre der reformierten Kirchen, das Werk Calvins und Barths, die ökumenischen Dialoge und die angelsächsische Theologie. Schwerpunkte der Seminarbibliothek sind neben einer umfangreichen Mikrofiche-Sammlung von Quellentexten des 17. und 18. Jahrhunderts die reformierten Theologen Calvin, Zwingli und Barth sowie Werke zum deutschen, angelsächsischen und holländischen Calvinismus.
Erlanger Fakultät und reformierter Lehrstuhl haben das Jubiläum mit zwei Festvorträgen begangen. Der Generalsekretär des Reformierten Weltbundes Milan Opocenský hat zum Thema "Karl Barth in der neueren tschechischen Theologie" gesprochen. Und der Wiener Systematiker Ulrich Körtner hat für Reformierte und Lutheraner gleichermaßen bedenkenswerte Perspektiven zum Thema "Calvinismus und Moderne" eröffnet. Ein Festgottesdienst in der Erlanger Hugenottenkirche dokumentierte zudem die enge Verbundenheit von Lehrstuhl und reformierter Gemeinde.
6.5. Matthias Freudenberg Bibliographie zur Geschichte des Lehrstuhls und zu seinen Inhabern
1. Allgemeines
Beyschlag, Karlmann: Die Erlanger Theologie, Erlangen 1993.
Biundo, Georg: Die evangelischen Geistlichen der Pfalz seit der Reformation, hg. v. H.F. Friederichs, Neustadt/Aisch 1968.
Biundo, Georg: Die pfälzische Unionskirche, ihre Entstehung und Geschichte bis 1920, in: Blätter für pfälzische Kirchengeschichte und religiöse Volkskunde 49 (1982), 27-44.
Bonkhoff, Bernhard H.: Geschichte der Vereinigten Protestantisch-Evangelisch-Christlichen Kirche der Pfalz 1818-1861, München 1986.
Bonkhoff, Bernhard H.: Geschichte der Vereinigten Protestantisch-Evangelisch-Christlichen Kirche der Pfalz 1861-1918, Speyer 1993.
Dejung, Emanuel/Wuhrmann, Willy (Hgg.): Zürcher Pfarrerbuch 1519-1952, Zürich 1953.
Dennler, Wilhelm: Die reformierten Gemeinden in Erlangen, Diss. Erlangen 1893.
Deuerlein, Ernst: Geschichte der Universität Erlangen in zeitlicher Übersicht, Erlangen 1927.
Engelhardt, Johann G.V.: Die Universität Erlangen von 1743-1843. Zum Jubiläum der Universität 1843, Erlangen 1843.
Freudenberg, Matthias: Katholischer König und reformierte Theologie. Vor 150 Jahren Gründung des Lehrstuhls für Reformierte Theologie in Erlangen, RKZ 138 (1997), 307-309.
Haas, Karl Eduard: Die Evangelisch-Reformierte Kirche in Bayern, 2. Aufl., Neustadt/Aisch 1982.
Haas, Karl Eduard: Der Bund evangelisch-reformierter Kirchen Deutschlands, Erlangen 1982.
Haas, Karl Eduard: Die Ev.-ref. Gemeinde zu Erlangen in den letzten 50 Jahren, Erlangen 1959.
Haas, Karl Eduard: 50 Jahre Ev.-ref. Gemeinde Erlangen 1922-1972, Erlangen 1972.
Haas, Karl Eduard: Die frühere deutsch-reformierte Kirche in Erlangen und ihre Gemeinde, Erlangen 1959.
Haas, Karl Eduard: 125 Jahre reformierte Synode in Bayern (1856-1981), in: Ev.-Ref. Kirchenblatt für Bayern, Nr. 1 (1982), 6-11.
Haenchen, Philipp Emil: Kurze Geschichte der Deutsch-Reformierten Gemeinde Erlangen, Erlangen 1893.
Hein, Martin: Lutherisches Bekenntnis und Erlanger Theologie im 19. Jahrhundert, Gütersloh 1984.
Hein, Martin: Art. Erlangen, in: TRE, Bd. 10 (1982), 159-164.
Heron, Alasdair: Die Evangelisch-reformierte Kirche in Bayern, in:
Handbuch der Geschichte der Evangelischen Kirche in Bayern, hg. v. G. Müller/H. Weigelt/ W. Zorn, Bd. II: 1800-2000, St. Ottilien 2000, 575-585.
Kantzenbach, Friedrich Wilhelm: Die Erlanger Theologie. Grundlinien ihrer Entwicklung im Rahmen der Geschichte der Theologischen Fakultät 1743-1877, München 1960.
Kimmel, Helmut: Pfälzische Protestanten im Dienste der Krone Bayerns 1809-1918, in: Blätter für pfälzische Kirchengeschichte und religiöse Volkskunde 28 (1961), 111-122.
Kolde, Theodor: Die Universität Erlangen unter dem Hause Wittelsbach 1810-1910, Erlangen/Leipzig 1910.
Schunk, Erich: Französische Revolution und pfälzischer Protestantismus, St. Ingbert 1992.
Simon, Matthias: Evangelische Kirchengeschichte Bayerns, Bde. 1-2, 2. Auflage, Nürnberg 1952.
Simon, Matthias: Die konfessionelle Entwicklung Bayerns im 19. Jahrhundert, in: Zeitschrift für Bayerische Kirchengeschichte 28 (1959), 106-219.
Simon, Matthias: Die innere Erneuerung der theologischen Fakultät Erlangen im Jahre 1833, in: Zeitschrift für Bayerische Kirchengeschichte 30 (1961), 51-69.
Strutz, Georg: Die sogenannte Auflösung des Konsistoriums zu Speyer 1833. Ein Beitrag zu den Auseinandersetzungen zwischen dem Konsistorium Speyer und dem Oberkonsistorium München, in: Blätter für pfälzische Kirchengeschichte und religiöse Volkskunde 25 (1958), 69-101.
Stursberg, Johannes: Die französisch-reformirte Gemeinde in Erlangen, in: Geschichtsblätter des deutschen Hugenottenvereins, Bd. 1, Heft 6, Magdeburg 1892.
Vogel, Erwin/Endriß, Gudrun: Zweihundert Jahre Universität Erlangen. Beiträge zur Geschichte der Universität, ihrer Lehrer und Forschungsstätten sowie der Studentenschaft, Erlangen 1943.
Wachter, Andreas: Geschichte der Reformierten in Bayern von ihren Anfängen bis in die Gegenwart, hg. v. Moderamen der Ev.-ref. Kirche in Bayern, Nürnberg 1994.
Wittern, Renate: Die Professoren und Dozenten der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen. Bd. 1: Theologische Fakultät/Juristische Fakultät, Erlangen 1993.
2. Johann Christian Gottlob Ludwig Krafft
Bickerich, K.: Ein Gedenkwort für Christian Krafft, in: Zu Gottes Ehre, Nr. 2 (1917), 14-16.
Goebel, Karl: Art. Krafft, Johann Christian Gottlob Ludwig, in: RE, 3. Auflage, Bd. 11 (1902), 59f.
Haenchen, Philipp Emil: Einiges aus dem Leben Kraffts, in: Allgemeine Kirchenzeitung 47 (1868), 193ff.
Krafft, Karl: Zum Andenken an Christian Krafft weiland Pfarrer der deutsch-reformirten Gemeinde und Professor der reformirten Theologie zu Erlangen, Elberfeld 1895.
Müller, E.F. Karl: Krafft und Ebrard, in: Zu Gottes Ehre, Nr. 3 (1918), 23f.
Neuser, Wilhelm H.: Pietismus und Erweckungsbewegung - der bayerische Erweckungstheologe Christian Krafft (1784-1845), in: Pietismus und Neuzeit, Bielefeld 1976, 126-141.
Pickel, Georg: Christian Krafft. Professor der reformierten Theologie. Ein Beitrag zur Erweckungsbewegung in Bayern, Nürnberg 1925.
Renaud, Jakob Wilhelm/Thomasius, Gottfried: Reden am Grabe des Herrn Joh. Christ. Gottl. Ludw. Krafft, Erlangen 1845.
Thomasius, Gottfried: Das Wiedererwachen des evangelischen Lebens in der lutherischen Kirche Bayerns (1800-1840), Erlangen 1867, 117ff.
Wesseling, Klaus-Gunther: Art. Krafft, Johann Christian Gottlob Ludwig, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. 4, Herzberg 1992, Sp. 582-584.
3. Isaak Rust
Bonkhoff, Bernhard H.: Isaac Rust (1796-1862), in: Blätter für pfälzische Kirchengeschichte und religiöse Volkskunde 51 (1984), 23-33.
Graf, Friedrich Wilhelm: Art. Rust, Isaac, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. 8, Herzberg 1994, Sp. 1053-1108.
Schneider, Joh.: Art. Rust, Isaak, in: RE, 3. Auflage, Bd. 17 (1906), 262-265.
4. Johann Heinrich August Ebrard
Biundo, Georg: Art. Ebrard, Johann Heinrich August, in: NDB, Bd. 4 (1959), 269f.
Ebrard, J.H. August: Lebensführungen, Bd. 1: In jungen Jahren, Gütersloh 1888.
Elert, Werner: Der Kampf um das Christentum, München 1921, 239-244.
Jacobs, Paul: Wille und Wandlung. Die Grundlinien der Theologie Johann Heinrich August Ebrards, Zürich 1955.
Kreßel, Hans: Der Hugenottennachfahr August Ebrard (1818-1888) und sein Einsatz für die Erlanger Heimatgeschichte, in: Erlanger Bausteine zur fränkischen Heimatforschung 34 (1986), 253-257.
Kreßel, Hans: J.H. August Ebrard als Erlanger Heimatschriftsteller, in: Erlanger Heimatbuch, Bd. 2, 1924, 65-69.
Lerle, Johannes: Grundzüge der Theologie Ebrards, Diss. Erlangen-Nürnberg 1988.
Mogk, Walter: Johann Heinrich August Ebrard (1818-88). Ein Beitrag zu seiner Wirkungsgeschichte, RKZ 114 (1973), 150-152.
Müller, E.F. Karl: Art. Ebrard, Johannes Heinrich August, RE, 3. Auflage, Bd. 5 (1898), 130-137.
Müller, E.F. Karl: Ein aufrechter Mann, in: Zu Gottes Ehre, Nr. 4 (1918), 32.
Müller, Johannes: Ebrards Wirken in der Pfalz. Ein Kapitel des Kampfes um das Erbe der Reformierten in der pfälzischen Unionskirche, in: Kirche in der Zeit. Ev. Kirchenzeitung 19 (1964), 300ff.
Nägelsbach, Friedrich: Die Uttenreuther 1836-1886. Erweitertes Mitgliederverzeichnis der ersten 50 Jahre, Erlangen 1965, 8f.
Nekrolog, in: RKZ 38 (1888), 31ff.
Noé, Heinrich (Hg.): Beiträge zur Pfälzisch-Bayerischen Kirchengeschichte. Ausschnitt aus dem zweiten Band der Lebenserinnerungen von D. August Ebrard, Kaiserslautern 1936.
Peters, Michael: Frömmigkeit und Universalität. Zum hundertsten Todestag des reformierten Theologen Johann Heinrich August Ebrard (1818-1888), RKZ 129 (1988), 372-378.
Peters, Michael: Johann Heinrich August Ebrard (1818-1888), in: Fränkische Lebensbilder. Neue Folge der Lebensläufe aus Franken, hg. v. G. Pfeiffer/ A. Wendehorst, Bd. 13, Würzburg 1990, 151-165.
Scartazzini, Giovanni A.: Nekrolog August Ebrard, in: Beilage zur Allgemeinen Zeitung Nr. 219f., München 1888.
Weigelt, Horst: Ebrards Theologiestudium in Erlangen und Berlin im Spiegel seiner Autobiographie, in: ders.: Von Schwenckfeld bis Löhe. Aspekte aus der Geschichte evangelischer Theologie und Frömmigkeit in Bayern. Ges. Aufsätze, hg. v. W. Layh u.a., Neustadt a.d. Aisch 1999, 214-225.
Zimmermann, Arnold: Professor Johann Heinrich August Ebrards Zürcher Jahre 1844-1847, in: Neujahrsblatt der Hülfsgesellschaft in Zürich, Nr. 140, Zürich 1940.
5. Johann Jakob Herzog
Meylan, Henri: Johann Jakob Herzog en l'Académie de Lausanne (1835-1847), in: Gottesreich und Menschenreich, FS für Ernst Staehelin zum 80. Geburtstag, hg. v. M. Geiger, Basel/Stuttgart 1969, 385-414.
Sieffert, Friedrich: Wissenschaftlicher Nachruf gesprochen bei der Beerdigung des Herrn Dr. Johann Jakob Herzog, Erlangen 1882.
Sieffert, Friedrich: Art. Herzog, Johann Jakob, in: RE, 3. Auflage, Bd. 7 (1899), 782-787.
Staehelin, Andreas: Geschichte der Universität Basel 1818-1835, Basel 1959, 28.40f.175.
6. Anton Emil Friedrich Sieffert
Graf, Friedrich Wilhelm: Art. Sieffert, Anton Emil Friedrich, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. 10, Herzberg 1995, Sp. 59-100.
Lang, August: Art. Sieffert, Friedrich, in: RE, 3. Auflage, Bd. 24 (1913), 513-517.
Ritschl, Otto: Friedrich Sieffert, in: Theologische Arbeiten aus dem rheinischenwissenschaftlichen Prediger-Verein, NF Heft 13, Tübingen 1912, 37-40.
7. Johann Martin Usteri
v. Schultheß-Rechberg, Gustav: Würdigung von Johann Martin Usteri, in: Die Zürcher Gelehrtenschule 1914, 129-131.
Nachruf auf J.M. Usteri, in: Christlicher Volksfreund 1890.
Nachruf auf J.M. Usteri, in: Ev. Wochenblatt Zürich, 31, Nr. 25f. (1890).
8. Ernst Friedrich Karl Müller
Bödeker, Heinrich: D. Karl Müller als Vater des Reformierten Konvikts, RKZ 85 (1935), 129f.
Freudenberg, Matthias: Karl Barth und die reformierte Theologie. Die Auseinandersetzung mit Calvin, Zwingli und den reformierten Bekenntnisschriften während seiner Göttinger Lehrtätigkeit, Neukirchen-Vluyn 1997, 17-83.
Freudenberg, Matthias: Art. Müller, Ernst Friedrich Karl, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. 14, Herzberg 1998, Sp. 1285-1298.
Jung, Friedrich: Zum Gedächtnis an Geheimrat Prof. D. Karl Müller in Erlangen, in: Zu Gottes Ehre, Nr. 67 (1935), 139-142.
Kolfhaus, Wilhelm: Professor D. E.F. Karl Müller und seine Reformierten, RKZ 85 (1935), 137-139.
Kolfhaus, Wilhelm: Wie wurde das Erwachen der Reformierten in Deutschland möglich?, in: RKZ 83 (1933), 221f. (= Prof. D. Karl Müller und das reformierte Deutschland, in: Zu Gottes Ehre, Nr. 67 [1935], 142f.).
Kreßel, Hans: Die Theologische Fakultät der Universität Erlangen und ihre Bedeutung für Theologie und Kirche, in: Erlanger Bausteine zur fränkischen Heimatforschung 14 (1967), 77-88.
Lohmeyer, Werner: E.F. Karl Müller zum 100. Geburtstag, in: Reformierte in Bayern, Nr. 13 (1963), 2f.
Lohmeyer, Werner: Prof. D. Karl Müllers Dienst innerhalb der Gemeinden, in: RKZ 83 (1933), 222-224.
Simon, Matthias (Hg.): Aus Theologie und Geschichte der Reformierten Kirche, Festgabe für E.F.K. Müller zu dessen 70. Geburtstage, Neukirchen 1933.
Sprenger, Paul: Ernst Friedrich Karl Müller, in: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen. Nekrologe 1935-1940, hg. v. E. Stollreither, Erlangen 1941, 6-14.
9. Jan Weerda
Haas, Karl Eduard: Professor D. Jan Weerda zum Gedächtnis, in: Reformierte in Bayern, Nr. 12 vom September 1963, 2-5.
Nachruf, in: Sonntagsblatt für ev.-ref. Gemeinden, Nr. 30 vom 28.7.1963.
Sprengler-Ruppenthal, Anneliese: Bibliographie Jan Remmers Weerda, in: ThLZ 89 (1964), 395-398.
Ulrichs, Hans-Georg: Art. Weerda, Jan Remmers, in: Biographisches Lexikon für Ostfriesland, Bd. 2, hg. v. M. Tielke, Aurich 1997, 397-399.
Ulrichs, Hans-Georg: Art. Weerda, Jan Remmers, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. 15, Herzberg 1999, Sp. 1451-1457.
10. Joachim Staedtke
Hausammann, Susi: Das wissenschaftliche Lebenswerk Joachim Staedtkes, in: Kirchenblatt der Ev.-Ref. Kirche in Bayern, Nr. 2 (1981), 3-5 (= RKZ 122 [1981], 129-131).
In memoriam Joachim Staedtke, in: Kirchenblatt der Ev.-Ref. Kirche in Bayern, Nr. 1 (1980), 7-14.
Plasger, Georg: Art. Staedtke, Joachim, in: Biographisches Lexikon für Ostfriesland, Bd. 2, hg. v. M. Tielke, Aurich 1997, 342f.
Schneider, Bernhard: Prof. Dr. Joachim Staedtke gestorben, in: Zwingliana 15 (1979), 81-90.
6.6. Matthias Freudenberg Biographisches Nachwort zu Karl Eduard Haas (1913-1991)
Der Verfasser der Geschichte des Erlanger Lehrstuhls für Reformierte Theologie sowie einer umfassenden Geschichte der Ev.-ref. Kirche in Bayern wurde am 14. Mai 1913 in Nürnberg geboren. Nach dem Abitur im Melanchthongymnasium Nürnberg am 1. April 1933 studierte Haas in Erlangen (1933-1935), Göttingen (1935/36 und 1936/37) und Rostock (1936) evangelische Theologie. Seine Examina (1. Examen 1937, 2. Examen 1940) legte er in Detmold ab. Vikar war er in Göttingen (1937/38), wo er auch als Senior das Reformierte Studienhaus betreute, in Schlangen/Lippe (1938/39) sowie in Nürnberg und Schwabach (1939/40). Im Anschluß an seine Ordination am 28. Januar 1940 in der Ev.-ref. Gemeinde Nürnberg arbeitete er von 1940 bis 1953 als Pfarrer in der Ev.-ref. Gemeinde Marienheim/ Neuburg a.d. Donau. Seine Amtszeit war vom Kriegsdienst als Sanitäter u.a. in der Ukraine und in Jugoslawien (Dezember 1940 bis Juli 1945) sowie vom Dienst als Lagerpfarrer in Siershahn/ Westerwald (Juli bis September 1945) unterbrochen.
Nach 1945 widmete sich Haas in seiner Gemeinde besonders der Wiederherstellung von Kirche und Pfarrhaus und der Flüchtlingsseelsorge an verstreuten Gruppen reformierter Batschkadeutscher. Vom 1. Juli 1953 bis zu seinem Ruhestand am 1. November 1980 wirkte er als Pfarrer in der Ev.-ref. Gemeinde Erlangen. Besondere Akzente setzte der langjährige Erlanger Pfarrer als Mitbegründer des Vereins Wohnstift Rathsberg (1964) sowie in der Gründung und Leitung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Erlangen. Über Erlangen hinaus wurde Haas bekannt durch seine kirchen- und lokalgeschichtlichen Arbeiten. Er hat sich großes Ansehen als Prediger und Seelsorger der Ev.-ref. Gemeinde Erlangen und als bedeutender Chronist der Reformierten in Deutschland erworben. Am 19. September 1991 verstarb Haas in Bubenreuth.
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