Haas/Freudenberg: Reformierte Theologie in Erlangen

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3.7. Jan Remmers Weerda (1949-1963)Klick zeigt Anmerkung

Jan Remmers Weerda (1949-1963)

  Jan Remmers Weerda wurde am 17. November 1906 als ostfriesischer Bauernsohn in Logumer Vorwerk/Ostfriesland geboren. Er besuchte die Gymnasien in Norden und Emden und wandte sich dem Studium der Theologie zu. Scherzhaft konnte er später erzählen, sein Vater habe zu ihm gesagt: "Junge, du bist zu dumm für 'nen Bauern, du mußt studieren." Ab 1926 studierte er an den Universitäten Tübingen, Berlin, Münster und Montpellier. Entscheidend beeinflußt wurde er von der Person und Theologie Karl Barths. Nach dem 1. Examen besuchte er das Predigerseminar in Elberfeld und war dann Vikar in Düsseldorf und in Rheydt bei Wilhelm Langenohl sowie in St. Georgiwold/Ostfriesland. Das 2. Examen legte er 1933 in Aurich ab und war dann Hilfsprediger in Osnabrück. Pastor in Emden wurde er 1935. Er heiratete die Arzttochter Margarethe Fauth aus Gersweiler/Saar. Zwei Söhne und zwei Töchter gingen aus der Ehe hervor.

  In Emden hatte Weerda als Vorsitzender des Kirchenrats 1937-1946 die schweren Zeiten des Kirchenkampfes und des Krieges durchzustehen, in dem die Stadt und mehrere Kirchen durch Bomben zerstört wurden. In dieser Zeit und auch nach dem Krieg bewährte sich Weerda als ein Pastor, der die Gemeinde wieder sammelte und aufbaute. Durch das Vertrauen der englischen Besatzungsmacht wurde er 1945 Senator der Stadt Emden und hatte, von der Einwohnerschaft gewählt, bis 1947 das Kulturreferat inne. Neben seinen Diensten für Gemeinde und Stadt widmete er sich weiter der theologischen Wissenschaft und promovierte 1944 bei Otto Weber in Göttingen zum Lic. theol. mit einer nach den Emder Presbyterialakten gefertigten Arbeit Der Emder Kirchenrat und seine Gemeinde. Teil 1: Die Grundlegung der Kirchenordnung durch a Lasco. Mit dem zweiten Teil der Arbeit, die die Zeit bis 1620 behandelt, habilitierte er sich 1948 und konnte seitdem von Emden aus als Privatdozent an der Universität Münster Vorlesungen halten.Klick zeigt Anmerkung Die Ev.-ref. Kirche in Nordwestdeutschland berief ihn 1946 in ihre Prüfungskommission, der er bis zu seinem Tod 1963 angehörte. So fuhr er auch dann von Erlangen aus jährlich zweimal im Frühjahr und Herbst nach Aurich, später nach Leer zu den Examina, um in Kirchen- und Dogmengeschichte und in Kirchenrecht zu prüfen. Weerdas Wunsch, sich ganz der Wissenschaft widmen zu können, ging mit seiner Berufung zum ordentlichen Professor in Erlangen am 1. November 1949 in Erfüllung. Diese hatte wohl Weber in Göttingen befürwortet. Zunächst kam die Familie in der Bismarckstraße 19 unter, dann in der freigewordenen Wohnung Sprengers in der Henkestraße 12.

  Die nicht ganz vierzehn Jahre in Erlangen waren für Weerda eine wissenschaftlich fruchtbare Zeit, in der er, der relativ spät in die akademische Laufbahn gekommen war, mit Konsequenz und Fleiß das ihm noch Fehlende aufzuholen bemüht war. Seine Lehrtätigkeit war von zahlreichen äußeren Schwierigkeiten gekennzeichnet. Infolge der Abtrennung der Pfalz vom rechtsrheinischen Bayern 1945 hatte der Erlanger Lehrstuhl für die dortigen Theologiestudenten seine Bedeutung verloren. Sie gingen zur neuen Universität Mainz und nach Heidelberg. Auch aus dem übrigen Deutschland kamen wenig reformierte Theologiestudenten nach Erlangen. So war der Lehrstuhl für Reformierte Theologie eigentlich überflüssig geworden. Andererseits aber stand dem extra-facultatem-Lehrstuhl eine lutherische Fakultät mit nach dem Krieg erstarktem Konfessionalismus gegenüber - verkörpert durch Paul Althaus, Werner Elert und Wilhelm Maurer -, der bei den Studenten den Blick auf die jenseits des Luthertums gelegene evangelische Theologie blockierte. So war die Zahl der Hörer oft so klein, daß zur Vermeidung, die Vorlesung ausfallen lassen zu müssen, seine Frau und auf seine Bitte hin der reformierte Pfarrer sich zu den drei oder vier Hörern gesellten. Dabei aber konnten diese Studenten dank des ausgezeichneten Lehrtalents Weerdas zur Erweiterung ihres Gesichtskreises und zur Bewahrung von Einseitigkeiten viel profitieren. Außer exegetischen Kollegs sind wertvolle Vorlesungen über die Theologie Calvins und Zwinglis, die Theologie der reformierten Bekenntnisschriften, die Geschichte der Unionsbildung im 19. Jahrhundert, Konfessionskunde und Seminarübungen über Calvin und Barths Theologie sowie reformierte Liturgik zu nennen.

  Der Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit lag, wie schon seine Promotions- und Habilitationsschrift zeigten, bei reformiertem Kirchenrecht und Kirchenordnungen. Auf die Presbyterialverfassung bezogen prägte er den Ausdruck "Auftragsverfassung der kirchlichen Funktionengemeinschaft". Besonders hatte er sich mit dem Kirchenrechtler Wilhelm Zepper aus dem 17. Jahrhundert beschäftigt. Wichtig wurde sein Aufsatz Ordnung zur Lehre. Zur Theologie der Kirchenordnung bei Calvin (1959). Weerda wurde durch zahlreiche Aufsätze in kirchlichen und theologischen Zeitschriften und Lexika mit Beiträgen aus der Reformation und Kirche bekannt. Ein neu aufgetauchtes Gemälde, das er als bislang unbekanntes Calvinbild diagnostizierte, beschäftigte ihn 1955. Seine Untersuchung erschien in dem Buch Holbein und Calvin. Ein Bildfund. Und 1957 erschienen Veröffentlichungen zur Bilderfrage in der reformierten Kirche.

  Die wissenschaftliche Leistung Weerdas erhielt Anerkennung, als er 1959 den Dr. theol.. h.c. von der Theologischen Fakultät Göttingen verliehen bekam. Ihm wurde 1960 die Ehrung zuteil, daß er zum Member of Scholar's Choice des Union Theological Seminary in Richmond/Virginia (USA) ernannt wurde.

  Als 1958 das Theologische Seminargebäude in der Kochstraße 6 erbaut worden war, erhielt auch das Seminar für Reformierte Theologie Räume. Weerda war bestrebt, den Bücherbestand zu mehren. Jedoch entstand mehr und mehr der Anschein, als wolle die Fakultät dem Professor für Reformierte Theologie das Wasser abgraben und allmählich die Liquidation des Lehrstuhls erreichen. So sollte der Kirchenhistoriker Walther von Loewenich eine Vorlesung über Konfessionskunde übernehmen, die schon seit Müllers Zeiten die Domäne des Professors für Reformierte Theologie gewesen war.

  Für die Ev.-ref. Kirche in Bayern und insbesondere die Erlanger Gemeinde, deren Presbyter Weerda seit 1950 war, erwies sich seine ausgesprochen kirchlich bestimmte Theologie als segensreich. Viele wertvolle Impulse gingen von ihm aus. So setzte er sich sehr für eine Änderung der Abendmahlsordnung in der Erlanger Kirche ein. Die seit 1957 praktizierte sitzende Gruppenkommunion anstelle der wandelnden Kommunion geht mit auf ihn zurück. Er engagierte sich auch, als ein neues Gestühl beschafft werden sollte. Andererseits betonte er Neuerungen gegenüber oft eine konservative Linie, die Altes und Gewachsenes erhalten wissen wollte. Auf sein Gutachten hin konnte für die Erlanger Gemeinde 1959 ein neues Kirchensiegel beschafft werden, das das hugenottische Symbol der Arche Noah, das im 19. Jahrhundert aufgegeben worden war, wieder aufnahm.

  Während des Urlaubs des Gemeindepfarrers machte Weerda gelegentlich einen Krankenbesuch oder setzte sich zu einem betagten Gemeindeglied, das er traf, auf die Bank. "Man muß die Kirche lieb haben", konnte er einem Abiturienten sagen, der vor der Entscheidung stand, ob er Theologie studieren solle. Sein besonderes Engagement galt der Predigt. Er stand gern auf der Erlanger Kanzel und half in anderen Gemeinden aus. Er predigte mit großem Temperament und immer mit zunehmender Lautstärke, die wegen des Überschlagens der Akustik das Zuhören schwierig machte. Aber man stand im Bann des so ganz vom Wort Gottes gepackten Predigers. "Seit Karl Barth macht das Predigen wieder Freude" sagte er. Es kam vor, daß er den griechischen Text des Neuen Testamentes mit auf die Kanzel nahm und diesen als Predigttext übersetzte. Oft rief er der Gemeinde sein Lieblingswort von der "Wortwirklichkeit Gottes" zu, und er konnte mit drastischem Pochen auf das Kanzelpult sagen, der Mittelpunkt der Kirche sei "dieses Brett hier" mit der Bibel darauf. Dieser leidenschaftliche Prediger bekannte aber auch bezüglich der Predigt seine Anfechtung: "Aber das Lampenfieber jedesmal davor!" Auf die verwunderte Frage an den geübten Experten antwortete er, daß ihn immer die Überlegung quäle: "Was wird von dir erwartet?!" Unüberhörbar erscholl sein Gesang besonders bei den Hugenottenpsalmen von seinem Platz auf der Presbyterbank. Den Mangel an geistlichem Leben in der Gemeinde hat er nicht unzutreffend gebrandmarkt: "In Erlangen ist alles wie ermordet."

  Die Ev.-ref. Kirche in Bayern verdankt Weerdas sachkundigem Mitwirken in der Kommission die Kirchenordnung von 1958 und die Kirchliche Lebensordnung von 1962. Das von der Synode 1960 gegründete Kirchenblatt erhielt durch Weerda den Titel Reformierte in Bayern. Freilich konnte er bei Synoden und Presbyteriumssitzungen durch seine impulsive Art auch unbequem werden. Das tat ihm hinterher oft leid, und er bekannte, daß er da schon in der Ev.-ref. Kirche in Nordwestdeutschland Schwierigkeiten gehabt habe, "weil ich oft quer gelegen habe".

  Weerda nahm 1960 an der Hauptversammlung des Reformierten Weltbunds in São Paolo/Brasilien teil und besuchte dort evangelische Auslandsgemeinden, worüber er auf der Synode in Marienheim mit Dias berichtete. Mit großem Nachdruck setzte er sich für einen Besuch von Josef Hromádka/Prag, des Haupts der damaligen Friedensbewegung im Osten, und für dessen Vortrag in der reformierten Kirche in Erlangen ein, der dann sehr zum Unwillen einiger Erlanger in der vollen Kirche unter heimlichem Polizeischutz am 28. Mai 1962 stattfand. Am 19. Januar 1963 konnte er noch an der 400-Jahrfeier für den Heidelberger Katechismus in Heidelberg teilnehmen, doch dann war seine Kraft am Ende.

  Schon einige Jahre zuvor hatte Weerda unter schmerzhaften Magenbeschwerden gelitten. Nun aber waren sie seit 1962 mehr und mehr zur schweren Qual geworden. Bei einer Operation im Frühjahr 1963 wurde ein unheilbarer Magenkrebs entdeckt. So lag er die letzten Monate zuhause in seinem Studierzimmer am Langemarckplatz 7, von seiner Frau und Familie aufopfernd gepflegt, aber gefaßt und völlig klar über seine Situation. Es war für ihn schmerzlich, so früh die Lebensarbeit unvollendet aus der Hand geben zu müssen. Noch 14 Tage vor seinem Tod konnte er eines seiner Enkelkinder taufen. Auch der Gedanke an die Kirche und ihren schweren Weg ließ ihn nie los. Er konnte sagen: "Ich beschäftige mich viel mit der Kirche." Und: "Ich denke viel an euch." Und: "Ich habe die Kirche unbändig lieb gehabt." Und: "Die Kirche hat mich aufgezehrt." Und: "Gott hat Anspruch darauf, daß der Mensch ihm seine beste Zeit opfert." Um so schmerzlicher war, daß er auf seinem Leidenslager noch erleben mußte, daß die Theologische Fakultät unter ihrem Dekan Maurer ihn quasi schon abschrieb und den Lehrstuhl zugunsten eines anderen Faches liquidieren wollte. Auf seinem Sterbelager bekannte Weerda, daß er sein schweres Geschick providentiell, als gnädige Führung Gottes sehe, und er diktierte für seine Todesanzeige den Satz: "Er ging heim im Vertrauen auf die Zusage, mit der das biblische Wort den Glaubenden zu Gottes Geschöpf und Kind erklärt." In seiner letzten Predigt an Silvester 1962 hatte er Psalm 119,19 ausgelegt: "Ich bin ein Gast auf Erden."

  Am 19. Juli 1963 erlag Weerda seinem Leiden im 57. Lebensjahr. Der Beerdigungsgottesdienst fand mit dem aufgebahrten Sarg in der reformierten Kirche statt. Man hatte ihn in seinem Predigermantel, wie er den Talar nannte, und mit seiner kleinen Bibel in den Händen in den Sarg gelegt. Pfarrer Karl Eduard Haas hielt die Trauerpredigt über Jesaja 45,11: "So spricht der Herr, der Heilige in Israel und ihr Meister: Fraget mich um das Zukünftige, weiset meine Kinder und das Werk meiner Hände zu mir!" Kräftig erklangen die Hugenottenpsalmen. Erschienen waren die Universität, an der Spitze der Rektor, und die Professoren der Theologischen Fakultät, sowie die Ev.-ref. Kirche in Nordwestdeutschland und die Ev.-ref. Kirche in Bayern, letztere mit allen Pfarrern. Am Sarg sprachen Magnifizenz Nöbeling und der Dekan der Theologischen Fakultät Maurer, der Kirchenpräsident der Ev.-ref. Kirche in Nordwestdeutschland Buitkamp/Osnabrück und der Präses der Ev.-ref. Kirche in Bayern i.R. Robert Klein/Nürnberg, der Kirchenmeister der reformierten Gemeinde Emden Grabe und für die Erlanger Gemeinde Presbyter Schröder. Studentenpfarrer Rehbach sprach im Auftrag des lutherischen Dekans und für die Studentengemeinde. Ein langer Zug geleitete den Sarg zum Reformierten Friedhof, wo Weerda in derselben Grabreihe beigesetzt wurde, in der Krafft bestattet liegt.

Oktober 2000: Professor Dr. Alasdair Heron, Präses Hartmut Wenzel und Dr. Matthias Freudenberg präsentieren die postum herausgegebene Geschichte des Emder Kirchenrates von Jan Remmers Weerda

 

3.8. Joachim Berthold Staedtke (1965-1979)Klick zeigt Anmerkung

Joachim Berthold Staedtke (1965-1979)

  Joachim Berthold Staedtke wurde am 9. August 1926 in Midlum/ Ostfriesland als Sohn des Pastors Eduard Staedtke und seiner Frau Helene, geb. Hoff geboren. In Lingen im Emsland, wo sein Vater Superintendent war, ging er zur Schule und besuchte das Gymnasium Georgianum, das als Nachfolgeinstitut der ehemaligen reformierten Oranischen Universität Lingen gilt. Hier empfing er eine christlich-humanistische Bildung. Das Abitur konnte er erst im Jahr 1948 nachholen, da er schon als Pennäler kaum 18jährig im vorletzten Kriegsjahr als Luftwaffenhelfer eingezogen wurde. Er geriet 1944 in Kriegsgefangenschaft und mußte nach Kriegsende, da er die Erkennungsmarke eines gefallenen französischen Soldaten bei sich trug, in Südfrankreich seine Verurteilung zum Tode durch Erschießen erleben. Durch eine glückliche Fügung kam er davon 1946 frei und gelangte mit stark angegriffener Gesundheit nach Hause. So konnte er sich nach dem Abitur dem Studium der Theologie zuwenden, zunächst in Mainz, dann in Göttingen bei Otto Weber und Ernst Wolf und in Zürich bei Fritz Blanke. Nach dem 1. Examen wurde er Vikar und dann Hilfsprediger in Bunde/Ostfriesland und in Leer. Dem folgte im April 1957 das 2. Examen und am 4. Oktober 1959 die Ordination. Am 8. August 1959 hatte Staedtke Antje van Delden aus einer westfälischen mennonitischen Textilfabrikantenfamilie in Coesfeld geheiratet. Sieben Jahre wirkte er im Dienst seiner Ev.-ref. Kirche in Nordwestdeutschland als Pastor und hatte infolge des Pfarrermangels gleichzeitig die fünf Gemeinden Freren, Lengerich, Thuine, Schapen und Plantlünne im Emsland zu betreuen. Dabei hatte er auch als Religionslehrer in einer Mittelschule und als Verwalter eines Jugendheimes zu fungieren.

  Schon in seiner Züricher Studentenzeit hatte Staedtke sich stark der theologischen Wissenschaft, speziell der Reformationsgeschichte verbunden gefühlt und promovierte am 22. Februar 1958 mit einer Arbeit über Die Theologie des jungen Bullinger bei Fritz Blanke. Durch Blankes Bemühungen in die wissenschaftliche Arbeit berufen, führte ihn sein Weg am 1. Oktober 1961 nach Zürich zurück, wo er einen Forschungsauftrag zur Züricher Reformation wahrnahm. Er erhielt die für ihn neu errichtete Stelle eines Oberassistenten an der Theologischen Fakultät und hatte das neu errichtete Institut für Schweizerische Reformationsgeschichte aufzubauen und zu leiten. Staedtke hatte sich schon seit seiner Dissertation mit Heinrich Bullinger befaßt und konnte neben seiner Mitarbeit an der im Gang befindlichen Zwingli-Ausgabe, bei der er die späten Werke Zwinglis edierte, die wesentlichen Grundlagen für die Bullinger-Forschung legen, indem er dessen literarischen Nachlaß (Werke und Briefe) ausfindig machte. Er erstellte eine Bibliographie von 772 Titeln. Unter den 50 Veröffentlichungen aus diesen Jahren war auch der Bildband über den Züricher Buchdrucker Froschauer mit dem Titel Anfänge und Blütezeit des Zürcher Buchdrucks (1965).

  Staedtkes Berufung nach Erlangen erfolgte, ohne daß er habilitiert war, aufgrund des wissenschaftlichen Rufs, den er sich schon erworben hatte. Er stellte sich mit einem Vortrag über Bullinger vor, mit dem er zu überzeugen wußte. Schon mit Beginn seiner Tätigkeit im Sommersemester 1965 machte sich der Gesinnungswandel in der Fakultät bemerkbar. Staedtke traf auf freundliche Kollegialität und er verstand es, diese zu erwidern. So hatte er im Unterschied zu Weerda gleich einen guten Eingang und mußte nicht gegen Widerstand und Rivalität ankämpfen. Kraft seines guten Lehrtalents fand er auch schnell den Zuspruch der Studenten und konnte so im Laufe der Jahre eine breit angelegte Lehr- und Forschungstätigkeit entfalten.

  Die Fülle der Themen in den Vorlesungsverzeichnissen legten Zeugnis davon ab, daß sich nun auch lutherische Studenten für reformierte Theologie interessierten: Prädestinationslehre, Heidelberger Katechismus, Abendmahl, Gotteslehre, Christologie, Lehre vom Heiligen Geist, Eschatologie, Ethik, Zwei-Reiche-Lehre, aber auch Sektenkunde, Kirchenkampf und Geschichte des amerikanischen Protestantismus. Besondere Schwerpunkte waren Calvin und Barth. Später kam 1969 noch ein Lehrauftrag für politische Theologie dazu, und Staedtke wandte sich sozialethischen Fragestellungen zu in Zusammenarbeit mit dem Sozialethiker Hans Schulze und dem ihm befreundeten Systematiker Wilfried Joest. Von seiner Beschäftigung mit Barth her fesselte ihn das Thema "Evangelium und Demokratie". Er kam zu dem Ergebnis, daß der Glaube an die Rechtfertigung des Sünders auch die Veränderung der Welt und ihrer Verhältnisse fordert. Die Hörerzahlen stiegen stark an, so 1978/79 auf etwa 150 Hörer. Das war ein gänzlich anderes Bild, als es je seine Vorgänger auf dem Lehrstuhl erlebt hatten. Und es war natürlich auch eine Folge der Eingliederung des Lehrstuhls in die Fakultät. Manche Lehrveranstaltung mußte doppelt gehalten werden. Es gab Studenten, die äußerten, daß Staedtke ihnen Barth besonders verständlich gemacht habe. Als erster Professor für Reformierte Theologie bekam er nun auch eine Assistentenstelle zugewiesen, die während seiner Professur Susi Hausammann, Dietrich Blaufuß und Bernhard Schneider einnahmen.

  Staedtke erlebte bald die Zeit der Studentenunruhen ab 1967. Er konnte Verständnis aufbringen für ihre Anliegen und genoß bei ihnen Ansehen. Öfter griff er mäßigend ein. Im Jahr 1968 setzten für den extra facultatem stehenden Professor die Veränderungen ein, die ihm zunächst den Status eines Zweitmitglieds mit Sitz und Stimme in der Fakultät einräumten. Später wurde dann am 1. Januar 1970 der Lehrstuhl für Reformierte Theologie in die Fakultät eingegliedert, ohne daß der lutherische Konfessionsstatus der Fakultät geändert wurde. Dank der Konzilianz Staedtkes fiel der Fakultät diese Integration nicht schwer. So wurde er nun Mitglied und schon für das Jahr 1971/72 auch Dekan der Fakultät.

  Nachdem er schon in Zürich zwei Berufungen auf amerikanische Hochschulen abgelehnt hatte, schlug er 1969 auch einen Ruf nach Mainz aus. Präses Robert Klein hatte sich beim Kultusministerium für sein Bleiben eingesetzt. Schon in Staedtkes erste Erlanger Zeit fiel der plötzliche und frühzeitige Tod seines einstigen Lehrers und Freundes Otto Weber. Es war im Herbst 1966, als Staedtke zusammen mit ihm und anderen Professoren in Randolins bei St. Moritz eine theologische Tagung Schweizer Pfarrer leiten sollte. Man saß abends noch im Gespräch beieinander. Als am nächsten Morgen Weber nicht erschien, mußte Staedtke nach ihm sehen und fand ihn tot im Bett liegend, verstorben an einem Herzschlag.

  In Erlangen hatte Staedtke zunächst Wohnung in der Drausnickstraße bezogen, erwarb aber schon nach kurzer Zeit ein eigenes neu erbautes Haus in Buckenhof, Im Herrengarten 14. Da seine Familie auf drei Söhne angewachsen war und das Haus nicht sehr viel Platz bot, mietete er in Spardorf, Ringstraße 16 eine Zweitwohnung, in die er sich zu seinen wissenschaftlichen Arbeiten zurückzog.

  Schon am Anfang hatte Staedtke zugestimmt, daß die Ev.-ref. Kirche in Bayern 1967 im frei werdenden alten Pfarrhaus am Bahnhofsplatz 3 ein Theologenkonvikt zur Unterstützung des Lehrstuhls für Reformierte Theologie und in Hoffnung auf gute Frequentierung von außerhalb Bayerns einrichtete. Er übernahm die Leitung als Ephorus. Schon 1966 war er von der Gemeindeversammlung in das Erlanger Presbyterium gewählt worden, dem er bis 1972 angehörte. Die reformierte Synode Bayerns wählte ihn 1968 zum Synodalassessor und 1970 zu ihrem Präses als Nachfolger von Robert Klein. In dieser Eigenschaft hat er dann an der Erstellung einer neuen Kirchenordnung 1972 und an der Revision der Kirchlichen Lebensordnung maßgeblich mitgearbeitet. Die Gründung einer zweiten reformierten Gemeinde in München-Neuperlach fällt in seine Amtszeit, wie auch die Einweihungen der dortigen Kirche 1971 und des Gemeindezentrums 1975. Von 1968 bis 1976 gehörte Staedtke auch dem Moderamen des Bundes ev.-ref. Kirchen Deutschlands als stellvertretender Präses an und wurde ab 11. November 1973 berufenes Mitglied der EKD-Synode.

  Das Ansehen als wissenschaftlicher und konzilianter Ireniker brachte Staedtke die mehrjährige Mitarbeit bei den lutherisch-reformierten Lehrgesprächen auf europäischer Ebene 1969-1973 auf dem Leuenberg bei Basel ein. Durch seine maßgebliche Einflußnahme gelang das glückliche Zustandekommen der Leuenberger Konkordie 1973 für die Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft zwischen Lutheranern, Unierten und Reformierten. Staedtke gehörte zusammen mit Landessuperintendent Gerhard Nordholt von der Ev.-ref. Kirche in Nordwestdeutschland zu den reformierten Vätern dieser Konkordie. Bei dem Annäherungsprozeß zwischen den evangelischen Konfessionen wirkte sich das Gewicht seiner Forschungen zur Abendmahlsfrage und Ekklesiologie aus, durch die er schon auf internationalen Konferenzen bekannt geworden war. Der Name "Leuenberger Konkordie" geht auf seinen Vorschlag zurück.Klick zeigt Anmerkung Unter seinem Vorsitz nahm die Ev.-ref. Kirche in Bayern schon 1973 mit als erste Kirche die Konkordie an.

  Staedtkes sozialethischen Intentionen entsprach seine Zugehörigkeit zur SPD. In einem vor der Bundestagswahl 1972 mehrmals in der Presse abgedruckten großen Inserat erschienen unter einer Menge Unterschriften zugunsten der SPD auch die Namen der Theologieprofessoren Joest und Staedtke. Diese einseitige politische Einflußnahme von seiten der Lehrer der Kirche erregte einigen Anstoß. Einige Jahre später am 8. April 1978 hielt Staedtke bei der Arbeitsgemeinschaft Kirche und SPD in der Stadthalle, bei der u.a. die Bundesminister Dieter Haack und Egon Bahr auf dem Podium saßen, einen Vortrag mit dem Thema Mut zum Bewahren - Mut zum Verändern.

  Unter dem Eindruck der seit dem neuen Hochschulgesetz erneut möglichen Gefährdung des Lehrstuhls für Reformierte Theologie als "Kleines Fach" und als nicht unbedingt nötige dritte systematische Professur veranstaltete Staedtke im Juli 1977 eine Feier anläßlich des 130jährigen Bestehens des Lehrstuhls. In ihren Ansprachen setzten sich der Universitätspräsident Nikolaus Fiebiger und der Fakultätsdekan Peter Poscharsky für die Erhaltung des Lehrstuhls ein. Leider hatte der Lehrstuhl mit Staedtke wiederum einen gesundheitlich gefährdeten Mann. Er soll einmal gesagt haben, daß er schon als Student nicht eine Nacht ohne Schmerzen habe schlafen können. So hatte er sich 1967 einer Magenoperation unterziehen müssen, die zunächst Abhilfe brachte. Doch minderte in den 70er Jahren sein Leiden zunehmend seine Schaffenskraft. Ein Klinikaufenthalt 1976 brachte vorübergehende Besserung. Im September 1979 besuchte er noch reformierte Gemeinden in Jugoslawien, wo er Predigten und Vorträge hielt. Es folgten im Oktober 1979 noch Vorträge in Mainz und Kloster Frenswegen über Bekenntnis aus reformierter Sicht und Die Situation der katholischen Kirche nach dem 2. Vatikanischen Konzil. Im November begann er eine überfüllte Vorlesung über die Gotteslehre im 20. Jahrhundert und zwei gut besuchte Seminare. Am 7. Dezember 1979 verstarb er in einer Klinik in Bad Mergentheim.

  Die Predigt am Sarg in der Hugenottenkirche hielt der Pastoraltheologe und Universitätsprediger Manfred Seitz, während Pfarrer Haas die Liturgie hielt. Seitz charakterisierte den Verstorbenen so: "Der Kollege, unter uns ein verhaltener und zugleich klarer Mann, an den wir nicht herankamen und der doch unser Herz gewann. Der jahrelange Präses seiner Kirche, die er liebte und die unter ihm auch litt. Der Mensch, dessen nach innen gerichtete Art, die Dinge zu bewältigen und zu entscheiden, den Gegensatz nicht wollte und ihn doch erzeugte." Nachrufe sprachen der Universitätspräsident Fiebiger, der Dekan Karlmann Beyschlag, Synodalassessor Gustav Klein, Präses Jochen Pitsch/Göttingen für den Bund ev.-ref. Kirchen und Landessuperintendent Gerhard Nordholt für die Ev.-ref. Kirche in Nordwestdeutschland und den Reformierten Bund. Ein langer Zug geleitete den Sarg zum Reformierten Friedhof, wo der Staedtke bestattet wurde.

  Über ein Jahr später am 16. Februar 1981 veranstaltete die Fakultät in der Schloßaula eine akademische Gedenkfeier, bei der Susi Hausammann/ Wuppertal den Nachruf Das wissenschaftliche Lebenswerk Joachim Staedtkes hielt. Wilfried Joest würdigte neben seiner wissenschaftlichen Leistung seine menschliche Noblesse und Fähigkeit zum Ausgleich bei Sachdifferenzen. Der Vakanzvertreter Josef Smolik/Prag sprach über Kirche und Staat in der CSSR - eine theologische Verhältnisbestimmung.

  Den wissenschaftlichen Nachlaß bilden über 130 Veröffentlichungen. Vor allem in Erlangen betätigte sich Staedtke als Herausgeber der theologischen Schriften Bullingers. Von den geplanten zwölf Bänden wurden zwei unter seiner Regie von Mitarbeitern nach wissenschaftlichen Kriterien druckfertig bearbeitet und kommentiert. Staedtkes Beschäftigung mit Calvin entstammt das Büchlein Johannes Calvin. Erkenntnis und Gestaltung (1969). Staedtke war Mitherausgeber des Corpus Reformatorum, der Studien zur Dogmengeschichte und Systematischen Theologie und der Karl-Barth-Gesamtausgabe. Viele Veröffentlichungen fanden internationale Beachtung und sind ins Englische, Französische, Holländische und Italienische übersetzt worden. Von besonderer Bedeutung wurden Staedtkes Beiträge zur Abendmahlstheologie, zur Geschichte des westlichen Protestantismus und zur Ekklesiologie. Einen guten Einblick in sein Schaffen geben die gesammelten Aufsätze Reformation und Zeugnis der Kirche (1978).

 

3.9. Alasdair Iain Campbell Heron (seit 1981)

Alasdair Iain Campbell Heron (seit 1981)

  Mit der Neubesetzung des Lehrstuhls für Reformierte Theologie im Herbst 1981 erhielt die Fakultät mit Alasdair Heron einen Vertreter aus der Welt der westeuropäischen Theologie und Kirche.

  Der Schotte Alasdair Iain Campbell Heron wurde am 24. Juli 1942 in Murree/Britisch Indien, heute Pakistan, geboren. Sein Vater John Heron, Pfarrer der Church of Scotland, verheiratet mit May Heron, geb. Campbell, wirkte dort als Missionar 1938-1944, ging dann aus Gesundheitsgründen nach Schottland zurück und war 1944-1963 in Kirkintilloch und 1963-1975 in Stevenston Gemeindepfarrer. Er wurde 1978 Ehrendoktor der Universität Glasgow. An diesen Orten verlebte Heron seine Kindheit und Jugendzeit. Von 1956 an besuchte er das Internat Fettes College in Edinburgh, das er 1961 mit dem Abitur abschloß. Wie viele seiner Vorfahren wandte er sich dem Studium der Altphilologie, Philosophie und Theologie zu, zunächst im Sydney Sussex College zu Cambridge, danach im New College zu Edinburgh. Er erhielt 1965 in Cambridge den Grad eines Bachelor of Arts, 1968 den Grad eines Master of Arts und im selben Jahr in Edinburgh den Grad eines Bachelor of Divinity summa cum laude. Vor allem in den Jahren in Cambridge widmete er sich keineswegs nur der akademischen Wissenschaft, sondern auch der Leichtathletik. So war er 1964/65 Kapitän der Cambridger Leichtathletikmannschaft, in welcher Eigenschaft er auch im Sommer 1965 die Mannschaften von Oxford und Cambridge in den USA mitgeleitet hat.

  Nach Abschluß des theologischen Studiums in Edinburgh 1968 und der Anerkennung als Lizentiat, d.h. ausgestattet mit der Predigterlaubnis der Church of Scotland, wandte sich Heron zwecks weiteren Studiums nach Tübingen. Dahin begleitete ihn seine Frau, die Theologin Helen Heron, geb. Thomson aus Dundee. Dort studierte er 1968/69 als Stipendiat des Akademischen Austauschdienstes und 1971-1973 als Hochschulassistent bei Ulrich Wickert. In Tübingen promovierte er auch am 3. Februar 1973 zum Dr. theol. summa cum laude. Das Thema der Doktorarbeit hieß Studies in the Trinitarian Writings of Didymus the Blind. His Authorship of the "Adversus Eunomium IV-V" and the "De Trinitate" . Inzwischen hatte Heron auch seine Vikariatszeit 1969-1971 in Linlithgow/Schottland als Assistant Minister an St. Michael's Parish Church absolviert.

  Nun konnte er in den Hochschuldienst gehen. Er war ab 1. April 1973 in Dublin/Irland Dozent (Lecturer) in Systematic Theology in der Irish School of Ecumenics. Dieses war ein 1969 gegründetes, von mehreren Kirchen in Irland und Übersee unterstütztes selbständiges ökumenisch-theologisches Institut von internationaler Prägung. Schon zum 1. Oktober 1974 wechselte er an die Universität Edinburgh als Dozent für Dogmatik über. Hier erreichte Heron 1981 zu seiner großen Überraschung der Ruf nach Erlangen. So bezog er im Herbst 1981 mit seiner Familie eine Wohnung im Haus des lutherischen Missionswerks in der Schenkstraße 69.

  Mit Heron bekam die Fakultät einen vielseitigen Theologen, der sich in der Patristik, Reformationsgeschichte, Systematischen Theologie sowie in der Ökumene gut auskennt. Dementsprechend erstreckt sich sein Angebot für die Lehrveranstaltungen teils auf reformierte Theologie (Geschichte und Lehre der reformierten Kirche; Zwingli; Calvin; Schleiermacher; Barth) und teils auf systematisch-theologische Themen mit einer großen Spannweite.

  Heron wurde von der Fakultät mit offenen Armen aufgenommen und fand sofort gute Kontakte zu den Kollegen. Seine Lehrveranstaltungen wurden von den Studenten gut angenommen. Wie schon Staedtke wurde auch er auf Vorschlag der Fakultät vom Kultusministerium mit Lehrveranstaltungen und Prüfungen für Lehramtskandidaten beauftragt. Hinzu kamen Neuerungen im interkonfessionellen Bereich. So wurde der reformierte Professor in die Reihe der Professoren aufgenommen, die auf der Kanzel der Neustädter Kirche in den Universitätsgottesdiensten predigen. Erstmals hat er im Sommersemester 1983 mit anderen Professoren das Abendmahl ausgeteilt. Und 1986 wurde er auf Vorschlag der Fakultät vom lutherischen Landeskirchenrat gebeten, als Prüfer bei den landeskirchlichen Examina in Ansbach für das Fach Dogmatik mitzuwirken.

Hugenottenkirche Erlangen

  Herons Aktivitäten gehen über die Lehrverpflichtungen an der Fakultät weit hinaus. Außer dem Sitz als geborenes Mitglied in der Synode der Ev.-ref. Kirche in Bayern gehörte er von 1982 bis 1998 dem Moderamen des Reformierten Bundes an. Von 1985 bis 1991 war er stellvertretendes Mitglied in der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Seit 1984 nimmt er an den Lehrgesprächen zwischen dem Reformierten Weltbund und dem Einheitssekretariat der Römisch-katholischen Kirche teil und hat bei diesem ökumenischen Dialog die Vertretung sowohl für das deutsche Reformiertentum wie für die Church of Scotland. Ebenso ist er seit 1986 am deutschen ökumenischen Arbeitskreis evangelischer und katholischer Theologen beteiligt und arbeitete dort an der Zurücknahme der gegenseitigen Verwerfungen aus dem 16. Jahrhundert mit. Ferner ist der Erlanger reformierten Gemeinde in Gottesdiensten der Habit des im Talar eines schottischen Predigers mit nach hinten hängender purpurner Kapuze (Hood) auf die Kanzel steigenden Professors vertraut.

  Literarisch ist Heron mit einer Reihe von größeren und kleineren Publikationen sowie mit Beiträgen zu einschlägigen Lexika - z.B. Theologische Realenzyklopädie (TRE) und Evangelisches Kirchenlexikon (EKL) im deutschen Raum neben mehreren englischen und französischen Enzyklopädien - hervorgetreten. Hier kamen insbesondere die Themenkreise Patristik, Reformationsgeschichte und Ökumene zur Geltung. Auch in Erlangen hat er seine schon 1974 angefangene Tätigkeit als Herausgeber des Scottish Journal of Theology bis 1997 fortgesetzt. Im Auftrag des Moderamens des Reformierten Bundes war er maßgeblich an der Gründung des Vereins zur Erforschung der Geschichte des reformierten Protestantismus (1. Satzung 1999) beteiligt, insbesondere an der Planung und Durchführung der seit 1998 stattfindenden Emder Tagungen sowie an der Mitherausgeberschaft der Schriftenreihe Emder Beiträge zum reformierten Protestantismus. Im Frühjahr 1999 hielt er die Hensley Henson Lectures an der Universität Oxford zum Thema The Unorthodox Karl Barth.

  Seit 1985 war Heron mehrfach als Gastprofessor in die USA eingeladen, u.a. nach Pittsburgh, Austin und San Anselmo. Das brachte ihm 1986 den Ruf an das Presbyterian Theological Seminary in Austin. Die nicht leichte Entscheidung traf Heron dann doch für das Bleiben in Erlangen, nachdem ihn nicht zuletzt auch die Ev.-Luth. Kirche in Bayern mit einem Schreiben von Oberkirchenrat Theodor Glaser darum gebeten hatte. Die Studenten dankten ihm mit einem Fackelzug ganz im traditionellen Stil einer deutschen Hochschule, an dem sich auch Mitglieder und Vertreter der Ev.-ref. Gemeinde Erlangen beteiligten. Dies ist für den so geehrten und seine Familie eine bis heute noch eindrucksvolle und verpflichtende Erinnerung. Im März 1987 bezog Heron mit seiner Familie das kircheneigene Haus in Buckenhof, An den Hornwiesen 2. Ebenso als Erfolg für sein Bleiben kann eine bessere finanzielle Ausstattung des Reformierten Seminars angesehen werden. Auch wurde die Assistentenstelle wieder besetzt, 1983 mit Alan Torrance, 1984 mit Gotthelf Wiedermann, 1988 mit Robert Redman und 1992 mit Matthias Freudenberg.